Au Backe – Der Zahnarzt als Patient

Au BackeZahnarztangst…

ist im zahnmedizinischen Behandlungsalltag Normalität und ein
typisches Merkmal vieler Patienten. Angst  – vor Schmerzen,
Kontrollverlust, Spritzen oder vor Erniedrigung – kann sich zur
Zahnarztphobie entwickeln.

Die Behandlung von Angstpatienten hat in der Hypnoseausbildung einen besonders hohen Stellenwert. Es gilt, einen kommunikativen Rahmen zu schaffen, in dem der Patient sich
angenommen und verstanden fühlt, damit die Voraussetzung für eine entspannte, angstfreie Behandlung geebnet werden kann.

Wie ist es aber, wenn der Behandler oder die Behandlerin selbst zum Patienten wird?
Wie fühlt sich Angst aus dieser Perspektive an und was verändert sich dabei?
ZÄ Steffi Könnecke schildert in ihrem Gastbeitrag, was sie als Patientin in der Praxis eines
Kollegen erlebt hat.

„Help me if you can…

Dass ich ein Problem habe, wird deutlich, als ich meinen Kaugummi in meine Hand fallen lasse, ein Inlay hängt daran. Der Gedanke, dass ich zum Zahnarzt MUSS, macht mich wütend, ich will das nicht müssen. Ich ignoriere das MUSS, und packe meinen Zahn in watteweiche Kuschelstoffe, wickele einen Wollschal herum, ich komme doch super zurecht? MUSS zum Zahnarzt wird überbewertet, ES TUT DOCH GAR NICHT WEH. Und mir schon gar nicht, ich kann Hypnose, ZAHN SCHLAF, und das Inlay kommt in die Dose.
Mein Vegetativum bestärkt mich, es mag nicht zum Zahnarzt müssen, DIE TUN IMMER WEH. Nur über meine Leiche, signalisiert es mir. Keep cool baby, ich kann Hypnose!

Der Angsthase in mir

Die Nacht zu Montag verzeihe ich dem Montag nicht, das MUSS fordert Respekt. Es motzt mit mir, DA MUSST DU DURCH, STELL DICH NICHT SO BLÖD AN, KINDISCH. Wir debattieren, aber das MUSS hält nicht die Klappe und der heiße Tee bestärkt es.
Ich rufe folgsam an, ich will meine Ruhe und darf nach der Sprechstunde kommen, DANN BRAUCHEN SIE JA NICHTS MEHR SPRECHEN.
Ich fahre los, mein Vegetativum lässt das Herz und die Finger auf das Lenkrad klopfen. Und mir schießt furch den Kopf: ein Weg, den ich machen muss, macht mich unruhig und fällt schwer. Der Weg ist das Ziel, hier eindeutig Schwachsinn.

Es tut doch gar nicht weh…

Ich trete ein: Frau Kollegin, jetzt hat es Sie ja auch mal getroffen. Und meine Füße gehen zwei Schritte zurück, ES AUS DER DISTANZ BETRACHTEN und GANZ RUHIG. Mahnt es mich, als meine Nase die Flügel verschliesst. Es riecht so intensiv nach ZAHNARZT, es schreit in mir nur noch : HAU AB. Ich suche schnell den Schalter für ESISTGARNICHTSOSCHLIMM, stelle um auf Flachatmung zur Lebenserhaltung.
Ich werde gesetzt, please wait to be seated und setze meinen Hypnosefinger. Ab jetzt darf die Atmung entspannt sein, der Zahn schlafen auf seinem watteweichen Bett und sowieso, ES WIRD GLEICH VORBEI SEIN.

DANN WOLLEN WIR MAL. Nee, ganz sicher will ICH hier nichts, denkt es lächelnd kollegial. Ich soll spülen mit antibakterieller Lösung, es wütet in mir, in meinen Mund kommen nur Mangos und Marzipan. Und es schmeckt gnadenlos schäumend und schrecklich. Es Folgen ein Brennen wie Feuer und ein durchdringender Geruch und Geschmack nach Benzin. Es will würgen, ich untersage es ihm gnadenlos, das ist zu eklig und verdient keinen wohlmeinenden Würgereiz, das braucht ein STOP und Umspülen. Nee, nicht antibakteriell, ich lechze stöhnend: Wasser! Und lösche ausgiebig, schicke Feuerlöschzüge in meinen Mund, alles gut. Es räuspert sich hinter mir, ich organisiere ein freundliches Lächeln. ZEIG DEM FEIND DEIN LÄCHELND ANGESICHT, kommt es mir ins Hirn.
Da überrollt meinen Zahn ein Schaufelbagger auf Kopfsteinpflaster, verliert eine Ladung bittere Lakritze,und ich zweifle an meinem Verstand. Der Feind gehört erschlagen, vernichtet und verjagt, denke ich artig dankend und schaue in das fragende Gesicht des Kollegen. HAT ES SEHR WEH GETAN?

Aber nein, beruhige ich ihn, das haben Sie wunderbar gemacht, und ernte ein strahlendes Lächeln. DU SOLLST NICHT LÜGEN! Nein, das habe ich nicht, auf seine Zahnarztart hat er richtig gearbeitet. Dass es so riecht und schmeckt, dass es sich bedrohlich anfühlt und es so laut ist, dass Erklärungen nicht verstanden werden, dass man da liegt, kopfüber und manche Berührung Kälteschauer über den Rücken treibt, nimmt er nicht wahr, es ist normal.

Aus Erfahrung gut

Für mich als Kollegin heißt es, ab Morgen wird alles nochmal überprüft, es wird gerochen und geschmeckt, gehört und berührt, nur so ist Qualitätsmanagment für meine Patienten möglich. Für mich als Patient bleibt, dass ich DA nicht hin müssen will und dass meine Hypnosebilder von Ruhe, weich, Watte, schlafen, löschen mich gut tragen, dass mein Hypnosefinger mich gut ankert an meine Ressourcen für ALLESWIRDGUT. All das tröstet und stützt mich, wenn der Weg ein Ziel hat, aber nicht das Ziel ist.“

 

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